unfilter

(*for English version see below)

© graphic design by Charlotte Hansel in collaboration with Susi Hinz

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unfilter, Samstag, 20.07.2019, 14-19 Uhr, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Campus Mitte, Bonhoefferweg 3, 10117 Berlin

Künstler*innen: Lucius Fekonja, Pia Linz, Christian Schellenberger, Oliver Thie, Nicole Wendel

Kurator*innen: Nuria Röder, Liz Stumpf

Unsere Bilder der Realität beruhen auf konstant ablaufenden Filterungsprozessen von auf uns einströmenden Reizen. Durch den Vorgang des Zeichnens wird dieses oftmals unbewusste Filtern der Sinnesreize in ein bewusstes und doch intuitives Selektieren überführt.

Was die ausgestellten künstlerischen Positionen eint, ist nicht nur der Akt des Zeichnens, der uns als Spur des Körpers auf Papier unmittelbar in Verhältnis zu unserer Umgebung setzt, sondern auch der Anspruch, die wahrgenommene Wirklichkeit in eine eigene Formsprache zu übersetzen. Die jeweils eigenen Zeichensysteme der Künstler*innen als Ergebnisse dieser Übersetzungsleistung führen uns vor Augen, dass unsere Selektionsprozesse eine sehr individuelle Realität erzeugen.

Auch die wissenschaftliche Zeichnung zeugt von einer individuellen Sprache, jedoch ist es nicht Ziel der Zeichnung, die eigene Wahrnehmung zu verhandeln. Vielmehr wird ein Merkbild erschaffen, das die komplexe Wirklichkeit auf klare Weise anordnet und auf einen Blick verständlich macht, sodass es sich in das Bildgedächtnis der Wissenschaftler*innen einprägt.
Wiederum gefiltert wird die zeichnerische Verhandlung der Wirklichkeit von den Betrachter*innen, die darüber hinaus in der Bildbetrachtung maßgeblich durch das gegebene Setting beeinflusst werden - von der Beleuchtung, über die Position des Betrachtenden, bis hin zu den Beziehungen, die sich zu Objekten im Sichtfeld ergeben. Was geschieht, wenn die äußere Umgebung extrem reduziert wird? Wird das Wahrnehmungsbild dann stärker durch die innere Erfahrungswelt bestimmt?

In der Abkehr von der konventionellen Ausstellungsgestaltung hin zu einer stärker erfahrungsbasierten Begegnung mit den Kunstwerken, wird den Betrachtenden ein aktives Mitwirken im Seherlebnis zugesprochen - ist es doch im Inneren jedes einzelnen Betrachtenden, in dem die Wahrnehmungsgestalt des Kunstwerkes immer wieder aufs Neue geschaffen wird.

Die neurochirurgischen Zeichnungen von Lucius Fekonja entstehen im Kontext seiner Arbeit als wissenschaftlicher Zeichner an der Klinik für Neurochirurgie der Charité Berlin. Der zeichnerische Prozess vollzieht sich in enger Zusammenarbeit mit den Chirurg*innen und mithilfe unterschiedlicher Vorlagen, wie Schädelmodellen, Hirnpräparaten oder während einer OP angefertigter Skizzen. Mit Blei- und Buntstift entwirft er Zeichnungen anatomischer Strukturen sowie konkreter chirurgischer Techniken auf Papier: Indem er eine Auswahl dessen trifft, was gezeigt werden soll, übersetzt er komplexe Strukturen und Vorgänge und das damit zusammenhängende Wissen in eine visuelle Form, die den Untersuchungsgegenstand reduziert und fokussiert darstellt. Eingesetzt werden diese Darstellungen schließlich im Rahmen wissenschaftlicher Publikationen und der Lehre zur Vermittlung von Fachwissen. Fünf solcher Zeichnungen werden im Rahmen der Ausstellung unfilter präsentiert. Lucius Fekonja studierte an den Schweizer Kunsthochschulen in Luzern und Zürich Wissenschaftliche Visualisierung und Erkenntnis-Visualisierung. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet er derzeit an der neurochirurgischen Klinik der Charité Berlin sowie am Cluster Matters of Activity. Image Space Material. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Forschung und Entwicklung an der MRT-basierten Operationsplanung sowie die Gestaltung visueller Darstellungen komplexen Wissens und dessen Transfer im Spannungsfeld von analoger Zeichnung und digitaler Modellierung.

Anatomy of the deep temporal nerves and vessels, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm
Anastomosis of saphenous vein and internal carotid artery, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm
Anastomosis of middle cerebral artery and radialis artery, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm
Temporal muscle dissection, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm
Superficial temporal artery bypass, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm

Pia Linz schlägt ihr mobiles Atelier an immer neuen Orten im Stadtraum auf und kartografiert akribisch in meist monate-, manchmal jahrelangen Übertragungsprozessen ihre Wahrnehmung der Umgebung auf Papier. Dabei gelingt es ihr auf meisterhafte Weise, die multiperspektivische und vielschichtige Realität auf dem zweidimensionalen Medium einzufangen. Ihre oft großformatigen Flächenzeichnungen, die Skalierungen des Raumes sind, werden durch das handschriftliche Einflechten von Geräuschen, Eindrücken und Gesprächen erweitert. Ihre Zeichnung Georgium, Vasenhaus entstand 2013 im Rahmen eines vierwöchigen Aufenthalts im Landschaftspark Georgium in Dessau. Pia Linz studierte an der Städelschule in Frankfurt und ist seit 2016 Professorin für Zeichnung im Fachgebiet Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Ihre Arbeiten sind unter anderem in der Sammlung Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, in der Berlinischen Galerie, dem Kunstmuseum Wolfsburg, der National Gallery of Canada und dem Museum Folkwang in Essen vertreten. Sie wurden in Ausstellungen im Grand Palais in Paris, im Frankfurter Städel Museum, im Museo Nacional de Artes Visuales in Montevideo, im Museo Nacional de Arte in La Paz, im
Kunstmuseum Bonn, im Frankfurter Kunstverein, im Sprengel Museum in Hannover, im Museum für Gegenwartskunst Siegen, in der Kunsthalle zu Kiel und vielen weiteren Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt.

Georgium, Vasenhaus, 2013, Bleistift auf Papier, 91 x 65 cm

Ein wichtiges Element der zeichnerischen Arbeit von Christian Schellenberger ist der Zustand des Unterwegsseins, etwa im Zug oder auch in der S-Bahn. Die ihn jeweils umgebenden Eindrücke, wie die vorbeiziehende Landschaft, Geräusche und Unterhaltungen regen den Zeichenprozess an, während dessen er immerzu auf der Suche ist nach Strichen, Linien, Kritzeln und Zeichen. Diese verdichten sich schließlich zu einem Bildsystem, das all die wahrgenommenen Überlagerungen und Strukturen eines Stadtraums auf abstrakte Weise wiedergibt. Im weiteren Arbeitsprozess kombiniert Schellenberger diese, häufig auf Folie entstehenden Zeichnungen, miteinander und druckt sie in immer neuen Variationen auf Papier. Auf diese Weise schafft er individuelle Kartografien von stetig wachsenden Weltstädten. Reisen an unterschiedlichste Orte werden für Schellenberger zum Anlass für seine zeichnerische Arbeit. So entstand 2014 während eines Aufenthalts in Beijing die Arbeit Ring Line Record. Die Stadt stundenlang mit der Ringbahn umkreisend, tastete er sich zeichnend in immer weiter werdenden Zirkeln mit dem Edding auf übereinander gefalteter Klarsichtfolie voran. Im Wartebereich sind zudem 1-2 minütige Audioaufnahmen des Künstlers zu hören, die seine Eindrücke auf dem Weg zu seinem Atelier nach Marzahn festhalten.
Der Berliner Künstler absolvierte sein Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee, an der École Supérieure des Beaux-Arts de Marseille sowie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Diplom bei Prof. Peter Piller und Prof. Katrin von Maltzahn). Ausgestellt wurden seine Arbeiten unter anderem im Museum der bildenden Künste und in der Galerie b2 in Leipzig sowie im Japanischen Kulturinstitut in Köln. Werke von Christian Schellenberger befinden sich zudem in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Sammlung des Museums der bildenden Künste Leipzig und dem Sammlungsbestand der Kunsthalle Recklinghausen.

Ring Line Record (Beijing), 2014, Marker auf Laserdruckfolie, 94 x 88 cm
Nach Marzahn, 2017-2019, Audioaufnahme, 5,42 min

Oliver Thie studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (Diplom und Meisterschüler bei Prof. Nanne Meyer) und arbeitete seither künstlerisch forschend in verschiedenen Kooperationsprojekten mit Wissenschaftler*innen zusammen. Im Temporären Objektlabor am Tieranatomischen Theater Berlin konservierte er 2018 die Schatten von Mineralien. 2016 begleitete er eine biologische Expedition durch die USA, um das Sozialverhalten von Blattläusen zu studieren. Von 2014 bis 2016 war er zu Gast am Museum für Naturkunde Berlin und erforschte in einem öffentlichen Zeichenlabor die Mikrostrukturen auf der hawaiianischen Höhlenzikade. Ausgestellt wurden seine Arbeiten bereits in den Berliner Galerien Stella A und der Galerie Parterre sowie im Kunstverein Neukölln. Seine zeichnerische Forschung macht die Wahrnehmung selbst zum Gegenstand; äußere Weltumstände werden verinnerlicht und visuell übersetzt. Häufig handelt es sich dabei um solch kleine Details, dass diese mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. So sind Mikroskop und Lupe für Thies Arbeiten beinahe so essentiell wie der Bleistift und das Labor wird zu seinem Atelier. Auch die Anatomische Tafel 5 entstand in einer Art Laborsituation, in der Thie die maßstabsgetreue Übertragung eines menschlichen Körpers durch einen Rasterrahmen hindurch auf insgesamt 104 Karten vornahm. Angeordnet in 8 Reihen zu je 13 Spalten fügen sie sich zur lebensgroßen Zeichnung eines menschlichen Körpers zusammen, der sich wie ein Teppich vor den Betrachtenden ausbreitet und für diese mit all seinen Strukturen sichtbar wird.

Anatomische Tafel 5, 2013, Bleistift auf Papier, 104 Karten zu je 14,8 x 10,3 cm

Die in Berlin lebende Zeichnerin Nicole Wendel studierte Bildende Kunst an der Universität der Künste, Berlin (Meisterschülerin von Prof. Leiko Ikemura) und nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, darunter im Goethe Institut in Paris, bei Espace d’Art Contemporain André Malraux in Colmar, in der Hegenbarth Sammlung, dem Haus am Lützowplatz und dem Drawing Hub in Berlin sowie dem Rondeel Art Space in Maastricht. Ihre Werke sind in den öffentlichen Sammlungen der Berlinischen Galerie, der Sammlung des Landes Rheinland Pfalz und des GEHAG Forums Berlin vertreten. Den Ausgangspunkt ihrer 2019 entstandenen Coredrawings bildet die Beobachtung von körperlichen Prozessen und Bewegungen im Verhältnis zu Raum. In einer performativen Zeichenaktion hinterlässt die Künstlerin Spuren ihres Körpers auf dem Papier. Diese Graphitstaubspuren werden in einem zweiten Schritt aufgegriffen und weiterkomponiert. So wächst ein Netz aus organischen und geometrischen Linien, das Assoziationen zu musikalischen Partituren und architektonischen Strukturen weckt und gleichzeitig immer einen spannungsgeladenen Übertragungsakt der Beziehung zum eigenen Körper darstellt. Diese Rhythmik der Verortung setzt sich schließlich beim Betrachten fort und lässt uns in einen vielschichtigen Resonanzraum eintauchen.

Coredrawing #4, 2019, Bleistift und Graphitstaub auf Papier, 129 x 100 cm

English version:

unfilter, Saturday, 20 July 2019, 2-7 pm, Department of Psychiatry and Psychotherapy, Charité Campus Mitte, Bonhoefferweg 3, 10117 Berlin

artists: Lucius Fekonja, Pia Linz, Christian Schellenberger, Oliver Thie, Nicole Wendel

curators: Nuria Röder, Liz Stumpf

Our images of reality are based on the constant filtering of stimuli. Through the process of drawing, this unconscious filtering of sensory impulses is transformed into a conscious, yet intuitive selection.
What the exhibited artistic positions have in common, is not only the medium of drawing itself, which as a trace of our body on paper directly sets us in relation with our environment, but also the claim that they translate the perceived reality into their own formal languages. The artist's own character systems, as the result of this translation, show us that our selection processes produce a very individual reality.

Scientific drawings, although they are distinguishable through their individual languages, don’t have the aim to negotiate the draftsman’s own perception. Rather, they create a mnemonic that clearly arranges the complex reality and makes it understandable at a glance, so that it is imprinted on the image memory of the scientist.

Again, the graphical negotiation of reality is filtered by the visitors, who are significantly influenced by the setting of the space where they view the image - the lighting, their position, and other objects in the field of view. What happens if the external environment is extremely reduced? Is the perceptual image more determined by the inner experience of the observer?

By turning away from the conventional exhibition design towards a more experience-based encounter with the works of art, the viewer is given an active role in the visual experience - after all, it is within each individual observer where the perceptual form of the work of art is created again and again.

The neurosurgical drawings by Lucius Fekonja arise from his work as a scientific illustrator at the Department of Neurosurgery of the Charité Berlin. The drawing process takes place in close cooperation with the surgeons, using different types of tools, such as skull models and sketches made during the operation. Drawings of anatomical structures as well as concrete surgical techniques are designed with pencil on paper: By making a selection of what to show in the drawing, he translates complex structures and processes as well as the related knowledge into a visual form that presents the object of investigation in a reduced and focused way. Subsequently, these pictures come to use in scientific publications and teachings of technical knowledge. Five of such drawings are presented in the exhibition unfilter. Lucius Fekonja studied scientific visualization and knowledge-visualization at the Swiss art academies in Lucerne and Zurich. He currently works as a research assistant at the neurosurgical clinic of the Charité Berlin as well as at the excellence cluster Matters of Activity. Image Space Material. The focus of his work is the research and development of MRI-based surgical planning as well as the design of visual representations of complex knowledge and its transfer, moving in the field of tension between analogue drawing and digital modelling.

Anatomy of the deep temporal nerves and vessels, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm
Anastomosis of saphenous vein and internal carotid artery, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm
Anastomosis of middle cerebral artery and radialis artery, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm
Temporal muscle dissection, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm
Superficial temporal artery bypass, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm

Pia Linz sets up her mobile studio in ever new places within the urban arena, where she meticulously and precisely maps her perception of the environment on paper, usually over month- or even year-long transcription periods. In doing so, she succeeds in masterfully capturing the multi-perspective and multi-layered realities onto the two-dimensional medium. These often large-format area drawings,
which are scalings of the observed space, are enhanced by the handwritten interweaving of sounds, impressions and conversations. Her drawing Georgium, Vasenhaus was created in 2013 as part of a four-week residency in the Landschaftspark Georgium in Dessau. Pia Linz studied at Städelschule in Frankfurt and has been a professor for drawing in the field of painting at Kunsthochschule Berlin-Weißensee since 2016. Her works are represented, amongst others, in the Contemporary Art Collection of the Federal Republic of Germany, the Berlinische Galerie, the Kunstmuseum Wolfsburg, the National Gallery of Canada and the Museum Folkwang in Essen. They have been exhibited at the Grand Palais, Paris, the Städel Museum, Frankfurt / Main, the Museo Nacional de Artes Visuales in Montevideo, the Museo Nacional de Arte, La Paz, the Kunstmuseum Bonn, the Frankfurter Kunstverein, the Sprengel Museum, Hanover, at the Museum of Contemporary Art Siegen, in the Kunsthalle Kiel and many other international solo and group exhibitions.

Georgium, Vasenhaus, 2013, pencil on paper, 91 x 65 cm

An important element of Christian Schellenberger’s drawing process is the condition of constant movement, for example on long distance or inner city trains. All those impressions surrounding him, like the passing landscape, noises and conversations, stimulate his drawing while continuously looking for new lines, scribbles and signs. These compress into a picture which reproduces all of the perceived overlays and structures of urban space in an abstract way. Within the further working process, Schellenberger combines those drawings, which are often produced on transparent foil, and prints them in different variations on paper. In this way, he creates individual cartographies of ever-growing world cities. Traveling to different places becomes the occasion for his artistic work. His work Ring Line Records, for example, was created during a stay in Beijing in 2014: Revolving around the city for hours and hours on the train, he groped his way along drawing in ever-broadening circles with an edding on transparent foil layers folded on top of each other. In the waiting area, before entering the temporary exhibition space, audio recordings of 1 to 2 minutes length give insight into the impressions the artist received while traveling to his studio in Berlin-Marzahn. The Berlin based artist completed his studies at the Kunsthochschule Berlin-Weißensee, the Ecole Supérieure des Beaux-Arts de Marseille and at the Academy of Fine Arts Leipzig (where he studied with Prof. Peter Piller and Prof. Katrin von Maltzahn). His works have been exhibited at the Museum der bildenden Künste and the Galerie b2 in Leipzig, as well as at the Japanese Cultural Institute in Cologne. Works by Christian Schellenberger are part of the collections of the Staatliche Kunstsammlungen Dresden, the collection of the Museum der bildenden Künste Leipzig and the Kunsthalle Recklinghausen.

Ring Line Record (Beijing), 2014, marker on laser printing foil, 94 x 88 cm Nach Marzahn, 2017-2019, audio recording, 1:20 / 1:30 / 1:42 / 1:50 min

Oliver Thie studied at Kunsthochschule Berlin-Weißensee (diploma and master student in the class of Prof. Nanne Meyer) and has since been involved in various artistic-scientific collaborations with his artistic research. At the temporary object laboratory of the Tieranatomisches Theater Berlin he preserved the shadows of minerals in 2018. In 2016, he took part in a biological expedition through the USA, where he studied the social behavior of aphids. From 2014 through 2016, he was a guest at the Museum für Naturkunde Berlin where he explored microstructures on the Hawaiian cave cicada in a public drawing laboratory. His works have been exhibited in the Berlin galleries Stella A and Galerie Parterre as well as in the Kunstverein Neukölln. In his graphic research, perception itself becomes the object of investigation; external stimuli are internalized and visually translated. In many cases these are such small details that they are invisible to the naked eye. Hence, the microscope and the magnifying glass are almost as essential to Thie’s
work as the pencil, and the laboratory becomes his studio. Anatomische Tafel 5 was created in a kind of laboratory situation in which Thie realized the true-to-scale transmission of a human body with the help of a grid frame on a total of 104 cards. Arranged in 8 rows of 13 columns each, they form a life-sized drawing of a human body, which spreads like a carpet in front of the viewers and becomes visible to them with all its structures.

Anatomische Tafel 5, 2013, pencil on paper, 104 cards of 14,8 x 10,3 cm each

Berlin based graphic artist Nicole Wendel studied Fine Arts at the University of the Arts, Berlin (master student of Prof. Leiko Ikemura) and participated in numerous solo and group exhibitions, including shows at the Goethe Institute, Paris; Espace d'Art Contemporain André Malraux, Colmar; Hegenbarth Collection, Berlin; Haus am Lützwoplatz, Berlin; Drawing Hub, Berlin and Rondeel Art Space, Maastricht. Her works are represented in the public collections of the Berlinische Galerie, the collection of the Federal State of Rheinland Pfalz and the GEHAG Forum Berlin. The starting point of her Coredrawings is the observation of bodily movements in relation to space. In a performative drawing action, the artist leaves traces of her body on the paper. These traces of graphite dust are then recollected and further processed in a second step. Thus, she creates a network of organic and geometric lines that resemble musical scores and architectural structures, while at the same time, it presents a tense transference act of the relationship to one's own body. This rhythm of positioning finally continues as we look at it, immersing us in a multi-layered resonance space.

Coredrawing #4, 2019, Pencil and graphite dust on paper, 129 x 100 cm

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unfilter, Samstag, 20.07.2019, 14-19 Uhr, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Campus Mitte, Bonhoefferweg 3, 10117 Berlin

Künstler*innen: Lucius Fekonja, Pia Linz, Christian Schellenberger, Oliver Thie, Nicole Wendel

Kurator*innen: Nuria Röder, Liz Stumpf

Unsere Bilder der Realität beruhen auf konstant ablaufenden Filterungsprozessen von auf uns einströmenden Reizen. Durch den Vorgang des Zeichnens wird dieses oftmals unbewusste Filtern der Sinnesreize in ein bewusstes und doch intuitives Selektieren überführt.

Was die ausgestellten künstlerischen Positionen eint, ist nicht nur der Akt des Zeichnens, der uns als Spur des Körpers auf Papier unmittelbar in Verhältnis zu unserer Umgebung setzt, sondern auch der Anspruch, die wahrgenommene Wirklichkeit in eine eigene Formsprache zu übersetzen. Die jeweils eigenen Zeichensysteme der Künstler*innen als Ergebnisse dieser Übersetzungsleistung führen uns vor Augen, dass unsere Selektionsprozesse eine sehr individuelle Realität erzeugen.

Auch die wissenschaftliche Zeichnung zeugt von einer individuellen Sprache, jedoch ist es nicht Ziel der Zeichnung, die eigene Wahrnehmung zu verhandeln. Vielmehr wird ein Merkbild erschaffen, das die komplexe Wirklichkeit auf klare Weise anordnet und auf einen Blick verständlich macht, sodass es sich in das Bildgedächtnis der Wissenschaftler*innen einprägt.
Wiederum gefiltert wird die zeichnerische Verhandlung der Wirklichkeit von den Betrachter*innen, die darüber hinaus in der Bildbetrachtung maßgeblich durch das gegebene Setting beeinflusst werden - von der Beleuchtung, über die Position des Betrachtenden, bis hin zu den Beziehungen, die sich zu Objekten im Sichtfeld ergeben. Was geschieht, wenn die äußere Umgebung extrem reduziert wird? Wird das Wahrnehmungsbild dann stärker durch die innere Erfahrungswelt bestimmt?

In der Abkehr von der konventionellen Ausstellungsgestaltung hin zu einer stärker erfahrungsbasierten Begegnung mit den Kunstwerken, wird den Betrachtenden ein aktives Mitwirken im Seherlebnis zugesprochen - ist es doch im Inneren jedes einzelnen Betrachtenden, in dem die Wahrnehmungsgestalt des Kunstwerkes immer wieder aufs Neue geschaffen wird.

Die neurochirurgischen Zeichnungen von Lucius Fekonja entstehen im Kontext seiner Arbeit als wissenschaftlicher Zeichner an der Klinik für Neurochirurgie der Charité Berlin. Der zeichnerische Prozess vollzieht sich in enger Zusammenarbeit mit den Chirurg*innen und mithilfe unterschiedlicher Vorlagen, wie Schädelmodellen, Hirnpräparaten oder während einer OP angefertigter Skizzen. Mit Blei- und Buntstift entwirft er Zeichnungen anatomischer Strukturen sowie konkreter chirurgischer Techniken auf Papier: Indem er eine Auswahl dessen trifft, was gezeigt werden soll, übersetzt er komplexe Strukturen und Vorgänge und das damit zusammenhängende Wissen in eine visuelle Form, die den Untersuchungsgegenstand reduziert und fokussiert darstellt. Eingesetzt werden diese Darstellungen schließlich im Rahmen wissenschaftlicher Publikationen und der Lehre zur Vermittlung von Fachwissen. Fünf solcher Zeichnungen werden im Rahmen der Ausstellung unfilter präsentiert. Lucius Fekonja studierte an den Schweizer Kunsthochschulen in Luzern und Zürich Wissenschaftliche Visualisierung und Erkenntnis-Visualisierung. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet er derzeit an der neurochirurgischen Klinik der Charité Berlin sowie am Cluster Matters of Activity. Image Space Material. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Forschung und Entwicklung an der MRT-basierten Operationsplanung sowie die Gestaltung visueller Darstellungen komplexen Wissens und dessen Transfer im Spannungsfeld von analoger Zeichnung und digitaler Modellierung.

Anatomy of the deep temporal nerves and vessels, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm
Anastomosis of saphenous vein and internal carotid artery, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm
Anastomosis of middle cerebral artery and radialis artery, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm
Temporal muscle dissection, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm
Superficial temporal artery bypass, 2018, Buntstift auf Papier, 21 x 30 cm

Pia Linz schlägt ihr mobiles Atelier an immer neuen Orten im Stadtraum auf und kartografiert akribisch in meist monate-, manchmal jahrelangen Übertragungsprozessen ihre Wahrnehmung der Umgebung auf Papier. Dabei gelingt es ihr auf meisterhafte Weise, die multiperspektivische und vielschichtige Realität auf dem zweidimensionalen Medium einzufangen. Ihre oft großformatigen Flächenzeichnungen, die Skalierungen des Raumes sind, werden durch das handschriftliche Einflechten von Geräuschen, Eindrücken und Gesprächen erweitert. Ihre Zeichnung Georgium, Vasenhaus entstand 2013 im Rahmen eines vierwöchigen Aufenthalts im Landschaftspark Georgium in Dessau. Pia Linz studierte an der Städelschule in Frankfurt und ist seit 2016 Professorin für Zeichnung im Fachgebiet Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Ihre Arbeiten sind unter anderem in der Sammlung Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, in der Berlinischen Galerie, dem Kunstmuseum Wolfsburg, der National Gallery of Canada und dem Museum Folkwang in Essen vertreten. Sie wurden in Ausstellungen im Grand Palais in Paris, im Frankfurter Städel Museum, im Museo Nacional de Artes Visuales in Montevideo, im Museo Nacional de Arte in La Paz, im
Kunstmuseum Bonn, im Frankfurter Kunstverein, im Sprengel Museum in Hannover, im Museum für Gegenwartskunst Siegen, in der Kunsthalle zu Kiel und vielen weiteren Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt.

Georgium, Vasenhaus, 2013, Bleistift auf Papier, 91 x 65 cm

Ein wichtiges Element der zeichnerischen Arbeit von Christian Schellenberger ist der Zustand des Unterwegsseins, etwa im Zug oder auch in der S-Bahn. Die ihn jeweils umgebenden Eindrücke, wie die vorbeiziehende Landschaft, Geräusche und Unterhaltungen regen den Zeichenprozess an, während dessen er immerzu auf der Suche ist nach Strichen, Linien, Kritzeln und Zeichen. Diese verdichten sich schließlich zu einem Bildsystem, das all die wahrgenommenen Überlagerungen und Strukturen eines Stadtraums auf abstrakte Weise wiedergibt. Im weiteren Arbeitsprozess kombiniert Schellenberger diese, häufig auf Folie entstehenden Zeichnungen, miteinander und druckt sie in immer neuen Variationen auf Papier. Auf diese Weise schafft er individuelle Kartografien von stetig wachsenden Weltstädten. Reisen an unterschiedlichste Orte werden für Schellenberger zum Anlass für seine zeichnerische Arbeit. So entstand 2014 während eines Aufenthalts in Beijing die Arbeit Ring Line Record. Die Stadt stundenlang mit der Ringbahn umkreisend, tastete er sich zeichnend in immer weiter werdenden Zirkeln mit dem Edding auf übereinander gefalteter Klarsichtfolie voran. Im Wartebereich sind zudem 1-2 minütige Audioaufnahmen des Künstlers zu hören, die seine Eindrücke auf dem Weg zu seinem Atelier nach Marzahn festhalten.
Der Berliner Künstler absolvierte sein Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee, an der École Supérieure des Beaux-Arts de Marseille sowie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Diplom bei Prof. Peter Piller und Prof. Katrin von Maltzahn). Ausgestellt wurden seine Arbeiten unter anderem im Museum der bildenden Künste und in der Galerie b2 in Leipzig sowie im Japanischen Kulturinstitut in Köln. Werke von Christian Schellenberger befinden sich zudem in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Sammlung des Museums der bildenden Künste Leipzig und dem Sammlungsbestand der Kunsthalle Recklinghausen.

Ring Line Record (Beijing), 2014, Marker auf Laserdruckfolie, 94 x 88 cm
Nach Marzahn, 2017-2019, Audioaufnahme, 5,42 min

Oliver Thie studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (Diplom und Meisterschüler bei Prof. Nanne Meyer) und arbeitete seither künstlerisch forschend in verschiedenen Kooperationsprojekten mit Wissenschaftler*innen zusammen. Im Temporären Objektlabor am Tieranatomischen Theater Berlin konservierte er 2018 die Schatten von Mineralien. 2016 begleitete er eine biologische Expedition durch die USA, um das Sozialverhalten von Blattläusen zu studieren. Von 2014 bis 2016 war er zu Gast am Museum für Naturkunde Berlin und erforschte in einem öffentlichen Zeichenlabor die Mikrostrukturen auf der hawaiianischen Höhlenzikade. Ausgestellt wurden seine Arbeiten bereits in den Berliner Galerien Stella A und der Galerie Parterre sowie im Kunstverein Neukölln. Seine zeichnerische Forschung macht die Wahrnehmung selbst zum Gegenstand; äußere Weltumstände werden verinnerlicht und visuell übersetzt. Häufig handelt es sich dabei um solch kleine Details, dass diese mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. So sind Mikroskop und Lupe für Thies Arbeiten beinahe so essentiell wie der Bleistift und das Labor wird zu seinem Atelier. Auch die Anatomische Tafel 5 entstand in einer Art Laborsituation, in der Thie die maßstabsgetreue Übertragung eines menschlichen Körpers durch einen Rasterrahmen hindurch auf insgesamt 104 Karten vornahm. Angeordnet in 8 Reihen zu je 13 Spalten fügen sie sich zur lebensgroßen Zeichnung eines menschlichen Körpers zusammen, der sich wie ein Teppich vor den Betrachtenden ausbreitet und für diese mit all seinen Strukturen sichtbar wird.

Anatomische Tafel 5, 2013, Bleistift auf Papier, 104 Karten zu je 14,8 x 10,3 cm

Die in Berlin lebende Zeichnerin Nicole Wendel studierte Bildende Kunst an der Universität der Künste, Berlin (Meisterschülerin von Prof. Leiko Ikemura) und nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, darunter im Goethe Institut in Paris, bei Espace d’Art Contemporain André Malraux in Colmar, in der Hegenbarth Sammlung, dem Haus am Lützowplatz und dem Drawing Hub in Berlin sowie dem Rondeel Art Space in Maastricht. Ihre Werke sind in den öffentlichen Sammlungen der Berlinischen Galerie, der Sammlung des Landes Rheinland Pfalz und des GEHAG Forums Berlin vertreten. Den Ausgangspunkt ihrer 2019 entstandenen Coredrawings bildet die Beobachtung von körperlichen Prozessen und Bewegungen im Verhältnis zu Raum. In einer performativen Zeichenaktion hinterlässt die Künstlerin Spuren ihres Körpers auf dem Papier. Diese Graphitstaubspuren werden in einem zweiten Schritt aufgegriffen und weiterkomponiert. So wächst ein Netz aus organischen und geometrischen Linien, das Assoziationen zu musikalischen Partituren und architektonischen Strukturen weckt und gleichzeitig immer einen spannungsgeladenen Übertragungsakt der Beziehung zum eigenen Körper darstellt. Diese Rhythmik der Verortung setzt sich schließlich beim Betrachten fort und lässt uns in einen vielschichtigen Resonanzraum eintauchen.

Coredrawing #4, 2019, Bleistift und Graphitstaub auf Papier, 129 x 100 cm

English version:

unfilter, Saturday, 20 July 2019, 2-7 pm, Department of Psychiatry and Psychotherapy, Charité Campus Mitte, Bonhoefferweg 3, 10117 Berlin

artists: Lucius Fekonja, Pia Linz, Christian Schellenberger, Oliver Thie, Nicole Wendel

curators: Nuria Röder, Liz Stumpf

Our images of reality are based on the constant filtering of stimuli. Through the process of drawing, this unconscious filtering of sensory impulses is transformed into a conscious, yet intuitive selection.
What the exhibited artistic positions have in common, is not only the medium of drawing itself, which as a trace of our body on paper directly sets us in relation with our environment, but also the claim that they translate the perceived reality into their own formal languages. The artist's own character systems, as the result of this translation, show us that our selection processes produce a very individual reality.

Scientific drawings, although they are distinguishable through their individual languages, don’t have the aim to negotiate the draftsman’s own perception. Rather, they create a mnemonic that clearly arranges the complex reality and makes it understandable at a glance, so that it is imprinted on the image memory of the scientist.

Again, the graphical negotiation of reality is filtered by the visitors, who are significantly influenced by the setting of the space where they view the image - the lighting, their position, and other objects in the field of view. What happens if the external environment is extremely reduced? Is the perceptual image more determined by the inner experience of the observer?

By turning away from the conventional exhibition design towards a more experience-based encounter with the works of art, the viewer is given an active role in the visual experience - after all, it is within each individual observer where the perceptual form of the work of art is created again and again.

The neurosurgical drawings by Lucius Fekonja arise from his work as a scientific illustrator at the Department of Neurosurgery of the Charité Berlin. The drawing process takes place in close cooperation with the surgeons, using different types of tools, such as skull models and sketches made during the operation. Drawings of anatomical structures as well as concrete surgical techniques are designed with pencil on paper: By making a selection of what to show in the drawing, he translates complex structures and processes as well as the related knowledge into a visual form that presents the object of investigation in a reduced and focused way. Subsequently, these pictures come to use in scientific publications and teachings of technical knowledge. Five of such drawings are presented in the exhibition unfilter. Lucius Fekonja studied scientific visualization and knowledge-visualization at the Swiss art academies in Lucerne and Zurich. He currently works as a research assistant at the neurosurgical clinic of the Charité Berlin as well as at the excellence cluster Matters of Activity. Image Space Material. The focus of his work is the research and development of MRI-based surgical planning as well as the design of visual representations of complex knowledge and its transfer, moving in the field of tension between analogue drawing and digital modelling.

Anatomy of the deep temporal nerves and vessels, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm
Anastomosis of saphenous vein and internal carotid artery, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm
Anastomosis of middle cerebral artery and radialis artery, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm
Temporal muscle dissection, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm
Superficial temporal artery bypass, 2018, colored pencil on paper, 21 x 30 cm

Pia Linz sets up her mobile studio in ever new places within the urban arena, where she meticulously and precisely maps her perception of the environment on paper, usually over month- or even year-long transcription periods. In doing so, she succeeds in masterfully capturing the multi-perspective and multi-layered realities onto the two-dimensional medium. These often large-format area drawings,
which are scalings of the observed space, are enhanced by the handwritten interweaving of sounds, impressions and conversations. Her drawing Georgium, Vasenhaus was created in 2013 as part of a four-week residency in the Landschaftspark Georgium in Dessau. Pia Linz studied at Städelschule in Frankfurt and has been a professor for drawing in the field of painting at Kunsthochschule Berlin-Weißensee since 2016. Her works are represented, amongst others, in the Contemporary Art Collection of the Federal Republic of Germany, the Berlinische Galerie, the Kunstmuseum Wolfsburg, the National Gallery of Canada and the Museum Folkwang in Essen. They have been exhibited at the Grand Palais, Paris, the Städel Museum, Frankfurt / Main, the Museo Nacional de Artes Visuales in Montevideo, the Museo Nacional de Arte, La Paz, the Kunstmuseum Bonn, the Frankfurter Kunstverein, the Sprengel Museum, Hanover, at the Museum of Contemporary Art Siegen, in the Kunsthalle Kiel and many other international solo and group exhibitions.

Georgium, Vasenhaus, 2013, pencil on paper, 91 x 65 cm

An important element of Christian Schellenberger’s drawing process is the condition of constant movement, for example on long distance or inner city trains. All those impressions surrounding him, like the passing landscape, noises and conversations, stimulate his drawing while continuously looking for new lines, scribbles and signs. These compress into a picture which reproduces all of the perceived overlays and structures of urban space in an abstract way. Within the further working process, Schellenberger combines those drawings, which are often produced on transparent foil, and prints them in different variations on paper. In this way, he creates individual cartographies of ever-growing world cities. Traveling to different places becomes the occasion for his artistic work. His work Ring Line Records, for example, was created during a stay in Beijing in 2014: Revolving around the city for hours and hours on the train, he groped his way along drawing in ever-broadening circles with an edding on transparent foil layers folded on top of each other. In the waiting area, before entering the temporary exhibition space, audio recordings of 1 to 2 minutes length give insight into the impressions the artist received while traveling to his studio in Berlin-Marzahn. The Berlin based artist completed his studies at the Kunsthochschule Berlin-Weißensee, the Ecole Supérieure des Beaux-Arts de Marseille and at the Academy of Fine Arts Leipzig (where he studied with Prof. Peter Piller and Prof. Katrin von Maltzahn). His works have been exhibited at the Museum der bildenden Künste and the Galerie b2 in Leipzig, as well as at the Japanese Cultural Institute in Cologne. Works by Christian Schellenberger are part of the collections of the Staatliche Kunstsammlungen Dresden, the collection of the Museum der bildenden Künste Leipzig and the Kunsthalle Recklinghausen.

Ring Line Record (Beijing), 2014, marker on laser printing foil, 94 x 88 cm Nach Marzahn, 2017-2019, audio recording, 1:20 / 1:30 / 1:42 / 1:50 min

Oliver Thie studied at Kunsthochschule Berlin-Weißensee (diploma and master student in the class of Prof. Nanne Meyer) and has since been involved in various artistic-scientific collaborations with his artistic research. At the temporary object laboratory of the Tieranatomisches Theater Berlin he preserved the shadows of minerals in 2018. In 2016, he took part in a biological expedition through the USA, where he studied the social behavior of aphids. From 2014 through 2016, he was a guest at the Museum für Naturkunde Berlin where he explored microstructures on the Hawaiian cave cicada in a public drawing laboratory. His works have been exhibited in the Berlin galleries Stella A and Galerie Parterre as well as in the Kunstverein Neukölln. In his graphic research, perception itself becomes the object of investigation; external stimuli are internalized and visually translated. In many cases these are such small details that they are invisible to the naked eye. Hence, the microscope and the magnifying glass are almost as essential to Thie’s
work as the pencil, and the laboratory becomes his studio. Anatomische Tafel 5 was created in a kind of laboratory situation in which Thie realized the true-to-scale transmission of a human body with the help of a grid frame on a total of 104 cards. Arranged in 8 rows of 13 columns each, they form a life-sized drawing of a human body, which spreads like a carpet in front of the viewers and becomes visible to them with all its structures.

Anatomische Tafel 5, 2013, pencil on paper, 104 cards of 14,8 x 10,3 cm each

Berlin based graphic artist Nicole Wendel studied Fine Arts at the University of the Arts, Berlin (master student of Prof. Leiko Ikemura) and participated in numerous solo and group exhibitions, including shows at the Goethe Institute, Paris; Espace d'Art Contemporain André Malraux, Colmar; Hegenbarth Collection, Berlin; Haus am Lützwoplatz, Berlin; Drawing Hub, Berlin and Rondeel Art Space, Maastricht. Her works are represented in the public collections of the Berlinische Galerie, the collection of the Federal State of Rheinland Pfalz and the GEHAG Forum Berlin. The starting point of her Coredrawings is the observation of bodily movements in relation to space. In a performative drawing action, the artist leaves traces of her body on the paper. These traces of graphite dust are then recollected and further processed in a second step. Thus, she creates a network of organic and geometric lines that resemble musical scores and architectural structures, while at the same time, it presents a tense transference act of the relationship to one's own body. This rhythm of positioning finally continues as we look at it, immersing us in a multi-layered resonance space.

Coredrawing #4, 2019, Pencil and graphite dust on paper, 129 x 100 cm