© Graphic Design: Moritz Voß
DE
Lauriane Daphne Carl (sie/they) ist eine französisch-deutsche Künstlerin, die in Berlin und Paris arbeitet. In Ihrer interdisziplinären Praxis untersucht sie den Spannungszustand zwischen Begehren und Zerstörung unter den Bedingungen ungleicher Machtverhältnisse. Ihre raumeinnehmenden Installationen verhandeln Aggression, Resilienz und Widerstand von Frauen, weiblich gelesenen und queeren Individuen im Kapitalismus sowie die ihnen auferlegten Widersprüche, indem sie auf Popkultur sowie biblische und antike Mythologien als archetypische Symboliken zurückgreift. Die Themen werden durch eine zeitgenössische Auseinandersetzung zugänglich gemacht, welche die Grenzen zwischen Medien und Materialitäten verschwimmen lässt.
ENG
Lauriane Daphne Carl (she/they) is a French-German artist based in Berlin and Paris whose interdisciplinary practice examines the tension between desire and destruction amidst unequal power relations. Her immersive, spatial installations engage with aggression, resilience, and resistance among women, female-read, and queer subjects within capitalism, as well as the contradictions imposed upon them. Drawing on pop culture alongside biblical and ancient mythologies as cultural repositories and archetypal symbolism, her work blurs the boundaries between media and materialities.
© Photos: Sasa Schramm
NATURE IS QUEER AS FUCK
2026
Installation: Acrylglas, Stein, Perlen, Metallringe
36,5 x 130cm
DE
Die Werkserie Nature is queer as fuck greift die Ästhetik gotischer Kirchenfenster auf und verbindet diese mit zahlreicher unverzerrten Röntgenaufnahmen von Mensch und Tier, die queere Verhaltensweisen darstellen. Durch die Aneignung getönter Glasscheiben und sakraler Bildsprache entstehen Werke, welche die religiöse Symbolik mit historischen Referenzen verschränkt.
In ihren Arbeiten bezieht sich Lauriane Daphne Carl u.a. auf Auszüge aus dem ersten LGBTQIA+-Archiv Deutschlands, das von Magnus Hirschfeld gegründet wurde. Während des Nationalsozialismus wurden dessen Bestände und das dazugehörige Institut geplündert und zerstört - mit der Zerstörung seiner Bibliothek ging ein wichtiges Archiv queerer Geschichte verloren. Die Verwendung archivischer Fragmente setzt dabei nicht nur einen historischen Verweis, sondern vollzieht eine queer-feministische Erinnerungspraxis, die verdrängte Geschichte durch künstlerische Intervention in die Gegenwart trägt.
Das Werk führt Aspekte biblischer und queerer Bildwelten zusammen. Durch diese Verschmelzung werden vertraute Vorstellungen von Natur, Glaube und Zugehörigkeit hinterfragt und neu verhandelt.
“Weil Natur verdammt queer ist” - Lauriane Daphne Carl
EN
The series Nature is queer as fuck draws on the aesthetics of Gothic stained-glass windows and combines them with numerous undistorted X-rays of humans and animals depicting queer behaviors. By appropriating tinted glass panes and sacred imagery, the artist creates works that intertwine religious symbolism with historical references.
In her work, Lauriane Daphne Carl draws, among other things, on excerpts from Germany’s first LGBTQIA+ archive, founded by Magnus Hirschfeld. During the Nazi era, its holdings and the associated institute were looted and destroyed—with the destruction of its library, an important archive of queer history was lost. The use of archival fragments not only establishes a historical reference but also enacts a queer-feminist practice of remembrance that brings repressed stories into the present through artistic intervention.
The work brings together aspects of biblical and queer visual worlds. Through this fusion, familiar notions of nature, faith, and belonging are questioned and renegotiated.
“Because nature is queer as fuck” - Lauriane Daphne Carl