AUFWACHEN ! BESSER MACHEN !
Zeitgenössische Kunst im Lichthof
des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität zu Berlin

Eröffnung am Donnerstag, den 13. Juni 2013, 19-22 Uhr
Ausstellungsdauer: bis 10. Juli 2013
Öffnungszeiten Mi-Fr, 12-18 Uhr

Filmvorführung am Montag, 24. Juni 2013, 20 Uhr
, Unter den Linden 6 im Kinosaal.
Fan Jian: The Next Life. Dokumentarfilm. 2011. China/England/Japan. OmU in Englisch

Finissage am Mittwoch, 10. Juli 2013, 20 Uhr, Unter den Linden 6 im Lichthof.
Hito Steyerl zu The Spam of the Earth: Withdrawal from Representation


Giulia Giannola: Tinker, Tailor, Soldier, Sailor, Video 2012

© Stoll & Wachall

GRUPPENAUSSTELLUNG mit

Larissa Fassler
Giulia Giannola
Gesa Glück
Ce Jian
Fan Jian
Folke Köbberling und Martin Kaltwasser
Eva Kotátková
Mathieu Schmitt
Katerina Šedá
Hito Steyerl
Ma Qiusha u.v.a.

Pressemitteilung
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„Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heißt die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in großem Masse zu verstärken.“

Friedrich Nietzsche. Menschliches, Allzumenschliches I. 1878.

Friedrich Nietzsches Kommentar erscheint heute so aktuell wie nie zu vor. Das ständige Im-Fluss-Sein, die permanente Erreichbarkeit und das unentwegte Abfragen können von Informationen und Daten treiben uns immer mehr in die Rastlosigkeit, die uns als Fortschritt und Engagement verkauft wird.

Die Kehrseite des ständigen Aktiv-Seins und Optimierens sind Unruhe, Erschöpfung, Müdigkeit und Burnout. Zur Leistungssteigerung greift man während des Studiums oder am Arbeitsplatz schon mal zu smart drugs - Hirndoping ist gerade unter Studenten ein Thema. Zeit zum Müßiggang gönnen wir uns immer weniger. Höchste Konzentration und Zeitmanagement sind angesagt. Der ständige Big Brother Blick treibt uns auch im Privaten zur Selbstkontrolle und Perfektion. Eingebunden in den Alltag aus Studium und Arbeit findet das kontemplative Verweilen, aus dem doch die Kreativität entspringt, kein Zeitfenster mehr.

Are you working too much?

Die Ausstellung AUFWACHEN ! BESSER MACHEN ! zeigt Arbeiten im Spannungsfeld von Hoffnungen, persönlicher Freiheit und Aspekten von Wirtschaftlichkeit. Der Begriff der Optimierung hat heute Hochkonjunktur. Gleichwohl ist hier oberste Vorsicht geboten. Die vielschichtigen künstlerischen Arbeiten zeigen die Tragweite des allgegenwärtigen Strebens nach Optimierung im Hinblick auf Selbstdisziplinierung, technische Errungenschaften und die architektonische Ausrichtung der modernen Stadt. Das Scheitern dieser Versuche und der dadurch mögliche Gewinn an Erkenntnis und Lebensqualität bieten neue Perspektiven und
fordern die Hinterfragung der oft beliebig propagierten Verbesserung jeglicher Zustände.

Der Philosoph Byung-Chul Han weist in seinem Buch Müdigkeitsgesellschaft
warnend auf eine kollektive Ermüdung hin, die sich, bedingt durch die globale Hyperaktivität, zunehmend ausweitet. Dem Weckruf AUFWACHEN ! BESSER MACHEN !, den viele Arbeiten auszusenden scheinen, sollten wir Gehör verleihen und uns fragen, welche Verbesserung für uns die erstrebenswerteste ist.

Mit Arbeiten von: Larissa Fassler, Giulia Giannola, Gesa Glück, Ce Jian, Fan Jian
Folke Köbberling und Martin Kaltwasser, Eva Kotátková, Mathieu Schmitt, Katerina Šedá, Hito Steyerl, Ma Qiusha u.v.a.

Kuratiert von Meta Marina Beeck

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Weitere Informationen zu den Arbeiten PDF

Ankündigung zum Film "The Next Life" PDF

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Press Release

“From lack of rest, our civilization is ending in a new barbarism. Never have the active, which is to say the restless, people been prized more. Therefore, one of the necessary correctives that must be applied to the character of humanity is a massive strengthening of the contemplative element“

Friedrich Nietzsche. Human, All Too Human. 1878.

Friedrich Nietzsche’s comment is as up-to-date as perhaps never before. Our state of constant flux, limitless availability and non-stop processing of information lead us more and more into a state of restlessness, which is sold to us as progress and engagement.

The downside of this permanent activity and optimization are stress, exhaustion, sleeplessness and burnout. Ever more people reach for smart drugs in their attempt to become more efficient – especially among students doping has become alarmingly accepted. Barely anyone takes time for leisure anymore – a main source of creativity. High concentration and time-management become increasingly important. Big brother is watching not only at work, but also in private, as we feel the pressures of self-control and perfection. Bound in a daily routine of work and studies we don’t have time to rest and sink into contemplative pause. The window of creativity seems to have been closed tight.

Are you working too much?

The exhibition AUFWACHEN ! BESSER MACHEN ! at Kleine Humboldt Galerie shows works of art dealing with the conflict between hope, personal freedom and economic goals. The multifaceted and complex works of art give testimony to the topicality of optimization in today`s global society. Its effects are examined in terms of self-discipline, technical achievements and the tendencies of urban development in modern cities. The failure of these attempts produces new knowledge and opens fresh perspectives that will perhaps lead to higher quality of life. Is the propagated improvement truly an achievement?

In his book Society of Tiredness, the Berlin-based philosopher Byung-Chul Han mentions the collective exhaustion caused by global hyperactivity. Han predicts quite convincingly that this tiredness will increase in the future – if we fail to wake up.

With works by: Larissa Fassler, Giulia Giannola, Gesa Glück, Ce Jian, Fan Jian, Folke Köbberling and Martin Kaltwasser, Eva Kotatkova, Mathieu Schmitt, Katerina Šedá, Hito Steyerl, Ma Qiusha u.v.a.

Curated by Meta Marina Beeck

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