Die Kleine Humboldt Galerie ist eine studentische Initiative zur Konzeption und Durchführung von kuratierten Ausstellungen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihr Schwerpunkt liegt im Bereich der bildenden Kunst, doch werden auch Bildprodukte der Wissenschaften und Medien als bedeutender Teil der visuellen Kultur in den Blick gefasst, und benachbarte Künste wie Tanz, Musik und Performance werden eingebunden. So entsteht in universitären Räumen ein Ort für alternative Bildung, die sich vornehmlich über die Kunst und den visuellen Sinn vermittelt.

Durch ein Rahmenprogramm wird diese interdisziplinäre Veranlagung vertieft: Über Diskussionsabende, Vorträge und Vermittlungsarbeit in der Ausstellung werden Kunstwerke aus der Perspektive verschiedener Wissenschaften betrachtet und wissenschaftliche Bilder auf ihren visuellen Erkenntniswert hin untersucht. So liegt es nicht fern, dass sich auch die Mitgliederschaft der Kleinen Humboldt Galerie aus Studierenden unterschiedlichster Disziplinen zusammensetzt. Ebenso wie die Kunst ihrem Charakter nach auf alle möglichen Wissensfelder übergreift, erfordert ihr Ausstellen und Vermitteln ein reiches Repertoire an Erfahrungen und Wissen aus den „entlegendsten“ Bereichen.

Nach zweijähriger, umbaubedingter Abwesenheit aus den universitären Räumen hat die Kleine Humboldt Galerie im Sommer 2009 in neuer personeller Zusammensetzung und mit verändertem Programm ihre Ausstellungstätigkeit wieder aufgenommen. Den Auftakt dieses neuen Abschnittes in der 30-jährigen Geschichte der Kleinen Humboldt Galerie bildet eine Ausstellungsreihe zum Thema „Bildung“. Das Bildungsthema drängt sich zum einen dadurch auf, dass wir uns an der Humboldt-Universität am Ursprung des modernen Bildungsideals befinden. Zum anderen ist diese Themenwahl durch die derzeit stattfindenden Bologna-Reformen (ja mittlerweile schon Reformen der Reformen) motiviert, die ein Nachdenken über Bildung – ihre Ziele, Methoden, Verantwortlichkeiten und Alternativen – akut machen.

Abseits von bildungspolitischen Fragen und als Grundmotiv unseres Projektes leitet uns die Idee des Bildungsromans, in dem der/die Lesende, während er/sie die Bildung eines Protagonisten verfolgt, selbst Bildung erfährt. Dieser Gedanke wird in der Ausstellungsarbeit gespiegelt, in der wir über verschiedene Aspekte von Bildung offen nachdenken, während wir selbst durch die eigenständig durchgeführte Ausstellungsarbeit gebildet werden.

Neben der Erarbeitung von Ausstellungen mit anspruchsvollem Inhalt ist es ein wichtiges Anliegen der Kleinen Humboldt Galerie, das Format „Ausstellung“ selbst zu hinterfragen und in seinen Möglichkeiten zu erproben. Abseits von Quotendruck und Vermarktungszwang hat die Kleine Humboldt Galerie durch ihre Verbindung mit einer öffentlichen Bildungsinstitution das Privileg des freien Experimentierraums, in dem auch mutigere Ideen umgesetzt, getestet und zur Not wieder verworfen werden können. Über den allgegenwärtigen White Cube und die Audioguide-Tour hinaus können hier verschüttete Potenziale des Ausstellens und der Kunstvermittlung wieder hervorgebracht und vielleicht sogar neue Spielarten entdeckt werden.

Die Trägerschaft der Kleinen Humboldt Galerie liegt beim gemeinnützigen "Förderverein der Kleinen Humboldt Galerie e.V.". Die Teilnahme ist offen für interessierte und engagierte Studierende aller Disziplinen und Universitäten Berlins. Jährlich werden zwei bis drei thematisch orientierte Ausstellungen unter wechselnder Kuratorenschaft gemeinsam erarbeitet und realisiert. Für Ausstellungen steht der Kleinen Humboldt Galerie der historische Lichthof im nordöstlichen Seitenflügel des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität zur Verfügung, der als allgemeiner Ausstellungsraum der Universität konzipiert wurde und durch die Kleine Humboldt Galerie bespielt werden kann. Unsere Arbeit findet dankenswerte Unterstützung von der Kustodie sowie dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit der Humboldt-Universität zu Berlin.

Zum Ausstellungsteam gehören aktuell Marina Beeck, K. Lee Chichester, Clara Gehlen, Eva Graf, Marie Greggers, Viktor Hömpler, Elija Kragerud, Sophie-Annette Kranen, Elke Kühns, Yasmin Meinicke, Milena Mercer, Elena Sánchez, Vanja Sisek.